Mein erster LARP Charakter
Was wäre ich gerne?
Zuerst müsst Ihr Euch überlegen, was Ihr spielen möchtet und ob Ihr Euch vorstellen könnt, das auch über einen längeren Zeitraum (ein paar Tage) durchzuziehen. Bekannte Figuren und Vorbilder aus Filmen oder Computerspielen sind hier durchaus erlaubte Inspirationen – sei es ein „Witcher“, eine „Elbin“ aus Herr der Ringe, ein „Skyrim“- oder „Vikings“-Nordmann, eine Adelige aus „Game of Thrones“ oder ein „World of Warcraft“-Hexenmeister.
Im Gegensatz zum Cosplay kopiert man im LARP einen Charakter nicht eins zu eins, sondern lässt sich nur zu einer ähnlichen Rolle inspirieren.
Besonders wenn die Figur aus einem Film ist, überlegt Euch gut, ob Ihr Euch das alltägliche Leben in dieser Rolle vorstellen könnt. Legolas sieht immer toll aus, wenn er Orks erschießt, aber Ihr müsstet dafür rund um die Uhr Make-Up und Elfenohren tragen und permanent wie ein Balletttänzer laufen. Das kann mit der Zeit ganz schön anstrengend werden.
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Welchem Hintergrund entspringt meine Figur - Wie wird diese Idee einzigartig?
Auf unseren Veranstaltungen finden sich tausende von Figuren und Charakteren. Für den Anfang kann es sehr verlockend erscheinen, eine bekannte Figur exakt nachzuahmen – dies wird aber mit der Zeit sehr einengend und kann im Spiel zu eingeschränkter Akzeptanz führen. Würde jeder Abenteurer „Geralt“ und jede Dame „Mellisandre“ oder „Daenerys“ heißen, wäre das ziemlich langweilig. Überlegt Euch, wie Ihr Euer Vorbild so verändert, dass es Eure Figur wird und kein Abziehbild aus einem Spiel oder Film. Das ist, wie oben erwähnt, eine der Unterschiede zum Cosplay.
Neben einem individuellen Namen ist es hier ratsam, die Geschichte der Figur zu verändern. Füge ihr doch noch ein paar Schicksalsschläge, Nachteile oder Ängste hinzu. Generell machen Defizite einen Charakter immer spannender als Dinge, die er oder sie perfekt kann. Anstatt zu überlegen „Wie toll kann ich kämpfen/zaubern/aussehen?“ fragt Euch lieber auch genauso intensiv, wovor Eure Figur Angst hat, was sie nicht verlieren möchte, was sie gar nicht kann und welch dunkles Geheimnis niemand herausfinden sollte.
Wie stelle ich diese Idee dar?
Jetzt habt Ihr langsam ein grobes Konzept einer einzigartigen Figur, am besten mit individuellem Namen und eigener Hintergrundgeschichte. Womöglich habt Ihr ein ziemlich genaues Bild davon, wie die Figur aussehen soll.
Auch hier empfiehlt es sich, vom Vorbild abzuweichen. Zum einen, weil eine exakte Kopie eines Film- oder Spiel-Kostüms sehr viel aufwändiger und teurer sein kann als Ihr es Euch vielleicht leisten möchtet. Zum anderen aber auch, da Ihr die Figur nicht nur in einzelnen Szenen auf einer Bühne, sondern rund um die Uhr leben anstatt nur darstellen wollt.
Statt einer original Wikinger-Replik tut es anfangs auch ein Leinenschnürhemd von der Stange. Statt original Lederschuhen reichen erst einmal schöne Gamaschen über Euren alten Wanderstiefeln. Und an Stelle einer handbestickten Seidenbluse startet Eure Figur Ihr erstes Abenteuer in einem schicken, robusten Leder-Mieder oder ähnlichem.
Ihr erreicht übrigens grundsätzlich viel mehr, wenn Ihr günstige Basisteile kauft und diese dann selbst verändert, zum Beispiel mit Flicken, Nähten und Abriebstellen auf „alt“ oder „gebraucht“ trimmt. LARP und Basteln gehört einfach zusammen.

Wie erleichtere ich es anderen, meine Darstellung zu unterstützen?
Es gilt auf unseren Veranstaltungen der generelle Grundsatz „Du kannst, was Du darstellen kannst“. Das bedeutet im Grunde zwei Dinge für Euren Start ins LARP:
– Versucht so überzeugend wie Ihr könnt, das, was Ihr sein möchtet, durch Schauspielerei und Kostüm auszudrücken.
– Erwartet dabei niemals, dass Euer Gegenüber Euch so wahrnimmt, wie ihr es gerne hättet.
Es ist möglich, eine Adelige in Bettler-Kleidung zu spielen. Das ist nicht leicht, aber möglich. Genauso kann Euch passieren, dass Euch niemand abkauft, ein Zwerg zu sein, wenn Ihr knapp zwei Meter groß seid – egal wie dicht und lang Euer Bart sein mag. Versucht am besten für den Anfang etwas zu spielen, bei dem es Euch leicht fällt andere davon zu überzeugen, dass diese Figur Hand und Fuß hat.
Das wichtigste zum Schluss: reagiert auf die Figuren der anderen Spieler so, wie Ihr möchtet, dass man Euch begegnet. Wenn vor Euch eine tapfere und edle Elben-Bogenschützin steht und in tiefstem Dialekt spricht, wäre es trotzdem toll, wenn Ihr Sie als die Figur akzeptieren würdet, die sie versucht darzustellen.

Benötige ich das Regelwerk?
Hier findet Ihr das aktuelle Mythodea Regelwerk.
Das Regelwerk ist eher eine Leitlinie für Euer Spiel, während wir ein Du-Kannst-Was-Du-Darstellen-Kannst (DKWDDK)-Regelwerk verwenden, wonach die meisten Spielerinnen und Spieler längst spielen.
DKWDDK bedeutet, dass ein Zauber durch dargestellte Effekte glaubhaft vorgeführt wird, so dass ein Gegenüber wirklich diesen Zauber ausspielen mag. DKWDDK bedeutet, dass ihr, wenn ihr viel aushalten wollt, viel Rüstung tragen müsst, alternativ stellt eure Panzerung anders glaubhaft dar, oder überzeugt mit schönem Kämpfen. DKWDDK bedeutet, weniger Werte, weniger Regel-Fuchserei und mehr schönes, glaubhaft dargestelltes Spiel.